Untergrundbericht aus einer SMS-Flirt-Agentur

Ein Kästchen blinkt auf dem PC-Bildschirm. Nils*, 23, aus Meiningen sendet eine Nachricht. Er fragt: „Hey Maus, was machst du gerade?“ und muss nicht lange auf eine Antwort warten. „Ich liege gerade im Bett und träume von dir. Küsschen Nina“, schreibt Nina zurück. Dieselbe Nina, die an Michael, 17, aus Frankfurt Nachrichten als „Connie“ schickt und sich für Steffen, 28, aus Esslingen „Nicole“ nennt. Hinter den falschen Textmitteilungen steckt Maria. Sie arbeitet für eine SMS-Chatagentur.

Spiegel Online schaute jener Maria einmal über die Schulter und ließ sich ein paar „Tricks“ erklären:

„Vereinbarte Dates werden grundsätzlich einen Tag vorher abgesagt“, gesteht Pseudoflirterin Maria. Das ist eine der vielen Strategien und Mittel im Flirt-Chat. Kühle Berechnung ist außerdem, dass die Flirtpartnerinnen stets zu derselben Altersgruppe des Kunden zählen und scheinbar niemals mehr als 40 Kilometer entfernt vom Wohnort desselben leben. „Das ist wie Leckerlis hinhalten“, schildert Maria. Dabei hilft ihr zum Beispiel die Online-Landkarte mit Suchmaschine, die jedem Mitarbeiter zur schnellen Ortsuche zur Verfügung steht.

Das Geschäfts boomt nach wie vor. Zwar hat die Verbraucherzentrale Berlin vor einiger Zeit gegen ein solches „Call“-Center erfolgreich geklagt (Urteil vom LG München), aber derer gibt es duzende. Und es ist sehr schwer ihnen beizukommen, da im Einzelfall bewiesen werden muss, dass die Betreiber der jeweiligen Flirt-Line die „Kunden“ tatsächlich nur mit Profi-Chattern plaudern lassen. Aus nachvollziehbaren Gründen gelingt es aber nur selten, sich ein solches Center auch mal von innen anzusehen.

Einfacher ist es zwar, wenn die Betreiber derartiger Dienste in Ihren AGB einen Hinweis wie den Folgenden zu stehen haben

In diesem Chat setzt SMSCHAT4YOU Betreuer/innen ein, (Operaterchat) die unter mehreren Identitäten Dialoge führen können. Im System sind diese nicht besonders gekennzeichnet. Ein Dialogpartner kann also ein/e Betreuer/in sein, (Operaterchat) der sich unter anderen Identität im System befinden kann.

(Quelle: http://www.smschat4you.com/, Stand: 16.04.2006).

Offenbar wähnen sich die Betreiber damit auf der sicheren Seite – ganz nach dem Motto „In den AGB steht doch alles, da kann sich nun wirklich niemand beschweren“. Das ist natürlich Unsinn. Aber geht man dagegen vor, wird im Zweifel schlicht die Klausel entfernt – das Spiel aber weiterhin fortgesetzt.

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