Jungenträume werden wahr - oder doch nicht?

Freitag, 21. Juli 2006

“Einmal einen Lamborghini fahren, oder einen Ferrari oder doch wenigstens einen Porsche!”. Ich kann mir die leuchtenden Augen von so manchem vorstellen, der genau diesen Traum auf der Seite testcars.de erfüllt glaubte. Nur fix die Daten eingeben und prompt wird man Testfahrer eines dieser Autos. Und das Ganze scheinbar kostenlos.

Tja. Fehlanzeige. Dass dies nichts kostet, erweist sich sehr schnell als Irrtum. In der Fussnote der Seite heißt es nämlich - wenn auch sehr leicht übersehbar

Für den testcars.de Service zahlen Sie nur acht Euro pro Monat bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

Dieses Prinzip ist nicht neu und wird von den Betreibern dieser Seite - Xentria AG - in vielen Variationen praktiziert (Bsp. 88sms.de, produktpruefer.com). Und nicht nur von diesem Unternehmen (siehe hier).

Nun ist es aber vermutlich so, dass so mancher gerne diese knapp 100 Euro dafür zahlen würde, wenn er denn dafür wirklich einen Lamborghini fahren dürfte. Doch auch diese Hoffnung löst sich sehr bald in Luft auf. In den AGB heißt es hierzu

2.1 Ab Eingang der Anmeldung wird der Teilnehmer in den Testfahrerpool von testcars.de aufgenommen, der anschließend Autohäusern und Herstellern zur Verfügung gestellt wird. Diese haben dann die Möglichkeit, Testfahrer auszuwählen und zu kontaktieren.

Mit anderen Worten: Die 96 Euro zahlt man ausschließlich dafür, dass man in eine Liste von Interessenten aufgenommen wird. Nicht mehr und nicht weniger. Ob irgendein Autohaus oder Hersteller tatsächlich auf diese Liste zugreift und den dort genannten Personen eine Testfahrt anbietet, darf bezweifelt werden.

Hinzu kommt, dass bereits nach 3 Monaten seitens der Xentria AG keinerlei Vermittlungstätigkeiten mehr unternommen werden

3.2 testcars.de behält sich aber das Recht vor, die Vermittlungstätigkeit nach den ersten 3 Monaten einzustellen, sofern der Teilnehmer in der Zeit bereits mehrfach als Testfahrer seitens der Autoindustrie (Hersteller, Autovermietungen, Autohäuser etc.) abgelehnt wurde und somit “unvermittelbar” ist.

Dennoch soll der Vertrag die vollen 12 Monate laufen.

Die Xentria AG bietet nichts anderes als eine reine Maklertätigkeit an. Ein Makler hat jedoch gem. § 652 BGB nur dann einen Provisionsanspruch, wenn auch tatsächlich der Vermittlungserfolg eingetreten ist. Xentra AG fordert seine Provion aber erfolgsunabhängig. Daher sind die entsprechenden Teilnahmebedingungen unzulässig. Ein Zahlungsanspruch kann hieraus also nicht abgeleitet werden.

Unzulässig ist auch jene Klausel, die es Xentria erlaubt, sämtliche Kontaktdaten zu Werbezwecken weiterzugeben

4.2 Mit Anmeldung erklärt er sich damit einverstanden, dass seine Angaben für Marketingzwecke verwendet werden dürfen und er von der Xentria AG und befreundeten Unternehmen per Post, Telefon, SMS/MMS oder E-Mail Informationen erhält.

Eine solche Allgemeine Geschäftsbedingung stellt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs eine unangemessene Benachteiligung dar (vgl. Urteil vom 27.01.2000, Az. I ZR 241/97).

Zusammenfassend bleibt zu sagen: Finger weg von diesem Angebot. Aber auch wer bereits darauf hereingefallen ist, braucht aus den genannten Gründen die 96 Euro nicht zu zahlen.

Nachtrag 03.01.2007
Nähere Informationen finden Betroffene in den FAQ zu Internet-Vertragsfallen.

57 Kommentare zu “Jungenträume werden wahr - oder doch nicht?”

  1.  
    57 — halmai maria
    4. März 2009 | 23:05
     

    Wr weiß darüber bscheid ob wenn ich die haken gemacht bei agb´s in gültige vertrag zu kommen?Ich habe schon ein musterbrief geschikt zu millionenAquiz.de aber die akzeptieren das nicht.Die behaupten dass ich habe die spielgebühr gesehen obwohl das stimmt nicht.Das war versteckt.Anfang hab ich eine ratenzahlung vereinbart aber ich hab damals nicht gewusst dass ist nur eine abzocke ist.Ist dass wirklich gültig oder wollen die einsüchtern alle leute damit.Die lassen mich nicht in ruhe schicken ständig zahlungserinnerung und mahnung.Findet die polizei diese betrüger nicht ?Habt ihr schon etwas gehört über amtsgericht.Die drohen sogar mit amtsgericht.Wann hören die auf mich zu belästigen?Langsam geht mir auf die nerven.Wer weiß etwas über diese betrüger?Waren sie schon verhaftet?Wie soll ich beweisen dass ich kein vertrag gemacht habe?Können die mein email adresse verfolgen und lesen?Ich bitte um euere rat:

    Lg.
    Halmai Maria

  2.  
    56 — Axel
    25. Februar 2008 | 05:39
     

    ist lustig, habe diese Seite tatsächlich besucht und nachdem ich ausser meiner email addi nichts weiter eingegeben habe und NICHT den sogenannten Service benutzt habe, bekam ich eine tolle Mail von dieser Inkassobude. ich denke nicht daran knapp 100 € für nichts zu zahlen. Hab dem schrägen Vogel ungefähr 50 Mails mit lustigen Anhängen geschickt - es kam keine Antwort und wer nichtmal meinen Namen und Adresse kennt, kann mir ohnehin den Buckel runterrutschen. Die Warnung von wegen IP Adresse ist ohnehin Quatsch, zum einen kann man die z.B. via JAP fälschen und um den Provider um die Herausgabe zu veranlassen, ist ein Gerichtsbeschluss nötig, welcher wegen so geringer Forderungen niemals gegeben wird. Also lacht über sowas und/oder macht es wie ich - sendet dem Abzocker Müll!

  3.  
    55 — axel
    19. Februar 2008 | 03:24
     

    ignoriern

  4.  
    54 — axel
    19. Februar 2008 | 03:24
     

    find es lustig und wer solchen Abzockern was zahlt - ist selber schuld

  5.  
    53 — Moritz
    28. Februar 2007 | 12:40
     

    Übrigens gibts ENDLICH ein Urteil gegen Lebensprognose.de (was sicher auch für Seiten dieser Art gilt):

    AG München AZ 161 C 23695/06

    Die Klage des Anbieters wurde abgewiesen.

    “Was ein Internetangebot kostet, muss deutlich sichtbar angegeben werden. Ansonsten muss der User nicht bezahlen.”

  6.  
    52 — Irmgard Meyer
    21. Januar 2007 | 20:19
     

    Hallo
    habe gestern einen Brief von der Deutschen Inkassostelle erhalten.Auftraggeberin ist die Probenblitz IS.Die hatten mir zuerst geschrieben.Ich hab denen dann tel. mit Anzeige gedroht.Dachte die Sache wäre gehalten ,dann gestern der Brief.Werde nicht zahlen sondern denen ein gepfeffertes Schreiben schicken und zwar beiden,Gläubiger und Inkasso.Außerdem werde ich mich mal vorsorglich bei der Polizei erkundigen welche Möglichkeiten man sonst noch hat.Bloß nicht klein beigeben.

  7.  
    51 — internetuser
    21. Dezember 2006 | 08:56
     

    […] hab noch einen Bericht von ProSieben (BIZZ-Fass ohne Boden) gefunden

    RJ: Den Link musste ich entfernen. Der TV-Beitrag ist urheberrechtlich geschützt, so dass die Verbreitung über YouTube ohne Einverständnis der Urheber unzulässig ist. Die Verlinkung hierzu ist es ebenso. Aber wer bei YouTube nach Xentria sucht, dürfte auch schnell fündig werden

Seiten: [6] 5 4 3 2 1 » Show All

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Nachtrag: Da dieser Hinweis offenbar nicht fruchtet, werden ab sofort jegliche Anfragen nach rechtlicher Beratung nicht mehr freigeschaltet bzw. gelöscht. Tut mir leid, aber sonst quellen die Kommentare über.

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