Mit einiger Verzögerung sollen nun die Daten der Umfrage zu den Internet-Abo-Fallen präsentiert werden. Ziel der Befragung war es, eine Vorstellung davon zu gewinnen, wieviele Personen auf Seiten mit sogenannten Internet-Abo-Fallen hereingefallen sind und vor allem, wieviele Personen den Drohungen nachgegeben und den geforderten Betrag gezahlt haben. Berücksichtigt werden sollten jedoch nicht nur solche Seiten, bei denen die Anmeldung wirklich ein “Abo” nach sich zieht, sondern auch solche bei denen eine “nur” eine Zahlung für eine einmalige “Leistung” gefordert wird (Bsp. lebensprognose.com). Entscheidendes Kriterium ist, dass die Kosten des Angebotes lediglich im Kleingedruckten (Fußnote und/oder Teilnahmebedingungen) versteckt wurden.
Die Umfrage fand im Zeitraum vom 1. bis zum 31. Oktober statt. Nach Ablauf des Umfragezeitraums gab es 1090 Datensätze. Einige davon mussten jedoch aufgrund doppelter Eingaben oder der Angabe falscher bzw. keiner E-Mail-Adressen entfernt werden, so dass letztlich 1027 Datensätze für die Auswertung zur Verfügung standen.
Informationen zu den Teilnehmern
Zunächst kurz einen Überblick über die Teilnehmer selbst. Der weit überwiegende Anteil kam aus Deutschland (92,99 %). Aus Österreich kamen 45 Teilnehmer (4,38 %), aus der Schweiz 14 Teilnehmer (1,36%) und aus anderen Ländern stammten 13 Personen (1,27 %).
Auch nach dem Alter der Teilnehmer wurde gefragt. Hierbei wurde danach unterschieden, ob die Teilnehmer jünger als 14 Jahre alt sind, sich in einem Alter zwischen 14 und 17 befinden oder aber 18 Jahre und älter sind. Diese Differenzierung erfolgte anhand juristischer Erwägungen. Da von den Seitenbetreibern gerade gegenüber Minderjährigen häufig mit einer Strafanzeige wegen Betruges gedroht wurde, war hier die Altersgrenze von 14 Jahren interessant. Denn eine Strafverfolgung ist erst ab diesem Alter möglich (vgl. 19 StGB). Die zweite Altersstufe orientiert sich am BGB, wonach Jugendliche unter 18 Jahren grundsätzlich nur mit Einverständnis der Eltern wirksam Verträge schließen können (vgl. §§ 2, 107 BGB).
Bei der Befragung gaben 31 Personen an, 13 Jahre oder jünger zu sein (3 %), 118 Personen sind zwischen 14 und 17 Jahre alt (11,5 %) und die restlichen 878 Teilnehmer (85,5%) waren 18 Jahre oder älter.
Angegebenen Internet-Seiten
Die Liste der von den Teilnehmern der Umfrage genannten Seiten befindet am Ende dieses Beitrags. Berücksichtigt sind allerdings nur solche Seiten, die mindestens zweimal angegeben wurden.
Angaben zur Anmeldung auf der betreffenden Internetseite
Längst nicht alle, die eine Rechnung erhielten, hatten sich zuvor auch bei der fraglichen Seite angemeldet. So gaben 157 Personen (15,3 %) an, dass sie sich nicht eingetragen hatten. Der überwiegende Anteil bejahte jedoch die Frage, ob eine Anmeldung erfolgte (870 Personen = 84,7 %). Von diesen Betroffenen gaben wiederum lediglich 13 Teilnehmer (1,5 %) an, dass sie auch eine Preisangabe gesehen haben, 853 Personen (98,5 %) hingegen verneinten dies.
Reaktionen auf die Rechnung
Bei der Frage nach den Reaktionen auf die Rechnung waren Mehrfachnennungen möglich. Hier wurde 36 mal angegeben, dass Anzeige bei der Polizei erstattet wurde, 698 Teilnehmer gaben an, dass sie der Rechnung widersprochen haben, 48 Personen haben einen eigenen Rechtsanwalt angeschaltet. Schließlich gaben 303 Teilnehmer an, dass sie nichts unternommen haben.
Bezahlung der Rechnung
Von besonderem Interesse war die Frage, wie groß unter den Betroffenen der Anteil derjenigen ist, die tatsächlich bezahlen. Ca. 4,5 % (46 Teilnehmer) gaben an, die Rechnung bezahlt zu haben. 38 hiervon taten dies bereits nachdem sie die Rechnung erhielten, 5 nachdem ein Inkasso-Unternehmen die Forderung geltend gemacht hat und 3 nachdem ihnen ein Anwalt geschrieben hat.
Diese Zahl ist überraschend gering. Dies dürfte aber vor allem mit der fehlenden Repräsentativität der Umfrage zusammenhängen. Auf die Umfrage sind offenbar vor allem Leute gestoßen, die gerade erst mit der Rechnung konfrontiert wurden. So sind gaben fast zwei Drittel (61,54 %) der Befragten an, dass Sie die erste Rechnung im Oktober (29,7 %) bzw. im September (31,84 %) erhalten haben – also genau im Umfragezeitraum oder kurz davor. Nimmt man den August noch dazu so sind dies 83,54 %. Lediglich 8,86 % der Befragen gaben einen Zeitraum vor dem August an. 7,59 % der Betroffenen machten hierzu gar keine Angabe.
Dies wirkt sich in zweierlei Hinsicht aus: Zum einen haben diese Betroffenen in aller Regel die gesamte „Einschüchterungsmaschinerie“ der Seitenbetreiber noch nicht durchlaufen und es ist daher nicht abzuschätzen, wieviele Personen hiervon letztlich doch noch zahlen werden. Zum anderen sind natürlich solche Personen nicht auf die Umfrage gelangt, die sich im Internet überhaupt nicht darüber informieren, ob sie denn zur Zahlung verpflichtet sind. Gerade bei den uninformierten Betroffenen ist jedoch vermutlich der Anteil der Zahlenden recht groß. Aber hierüber kann leider keine verlässliche Aussage getroffen werden.
Vielen Dank allen Teilnehmern der Umfrage!
Liste der in der Umfrage genannten Internetseiten
| Seite | Häufigkeit |
| lebensprognose.com | 485 |
| *-heute.com (z.B. p2p-heute.com, sms-heute.com, hausaufgaben-heute.com, songtexte-heute.com etc.) | 108 |
| smsfree24.de | 78 |
| magolino.de / magolino.com | 52 |
| lebenserwartung.de | 52 |
| smsfree100.de | 32 |
| 123simsen.com | 29 |
| iqfight.de | 25 |
| simsen.de | 24 |
| 1sms.de | 21 |
| esims.de | 15 |
| probenblitz.de | 11 |
| genealogie.de | 10 |
| check-deinen-sex.com | 10 |
| 123simsen.de | 8 |
| movie-tester.com | 6 |
| gedichte-server.com | 6 |
| probenzauber.de | 5 |
| produktpruefer.com | 4 |
| tricky.at | 4 |
| smscore.de | 3 |
| grusskarten-versand.com | 3 |
| zu-viel-alkohol.com | 3 |
| centurionet.de | 3 |
| das-tvquiz.com | 3 |
| freesms100.de | 3 |
| schonmal-gelebt.de | 2 |
| onlinequiz.de | 2 |
| sms-next.com | 2 |
| splash-sms.com | 2 |
| grafik-archiv.com | 2 |
| testcars.de | 2 |
Nachtrag 03.01.2007
Nähere Informationen finden Betroffene in den FAQ zu Internet-Vertragsfallen.
http://ra-melchior.blog.de/index.php/ra-melchior?disp=comments
“…Der Kommentar von Steve vom 18.11.06 ist ein sehr schönes Beispiel: Ihm hat man offensichtlich mit Kosten i.H.v. 402,73 € gedroht - nun bekommt er es mit der Angst zu tun. Tatsächlich beträgt das Kostenrisiko eines Prozesses bei einem Streitwert bis zum 300.- € für den Verlierer „nur” 249.- € (einen Streitwertrechner gibt es z.B. hier: http://www.ra-melchior.de/service.html ). Die (meist kräftig überhöhten) Inkassokosten sind nach der Rechtsprechung i.d.R. ohnehin nicht erstattungsfähig…”
Also keine Angst haben der Streitwert ist unter 300 Euro und der Verliere zahlt ca.250 Euro. Das könnte für die Internet Service AG richtig teuer werden, sobald sie alle Verbraucher verklagen und verlieren!!!
Ich habe nach 5 Minuten den Verarschungs- Vertrag nach$ 119 BGB per Fax
angefechtet. Ist wirklich ne Sauerei - Bin gespannt was jetzt kommt
Hallo,
ich bin auch auf “lebensprognose” reingefallen und habe mich bei der Verbraucherzentrale erkundigt. Ich habe gleich am nächsten Tag einen Musterbrief von denen erhalten. DANKE liebe Verbraucherzentrale “Paderborn”!!!! Und heute ist er per Einschreiben zu Internet Service AG gegangen. Bin gespannt, was da noch von denen kommt. Und es kommt sicherlich was! Aber ich denke mal, dass wir alle uns nicht unterkriegen lassen sollen. Also nicht bezahlen :-)
@ angi
Musterbrief befindet sich unter der Veröffentlichung der VZ Berlin
http://www.verbraucherzentrale-berlin.de/vz/html/modules/xfsection/article.php?articleid=538
[…] Der Haken an der Sache steckt - wie immer bei solchen und vergleichbaren Angeboten - im Detail, im Kleingedruckten. […]
habe wieder einen Drohbrief von der Inkassostelle erhalten mit Anbieten von Ratenzahlung und ich solle doch meine einzugsermächtigung abgeben.Frechheit. klar, ich geb denen noch meine Kontonummer. Für wie doof halten die einem eigentlich, nur weil man einmal auf die reingefallen ist?? Drohen mir jetzt mit klage. ich werde auf keinen fall zahlen..
hallo tom,
ich würde gerne wissen. wo ich die vorgefertigten Briefe finde.
Ich bin ebenfalls davon ausgegangen,daß der SMS-Service kostenlos ist. Wie bei allen anderen kam dann vorgestern per Mail die Mahnung. Ich werde nicht zahlen!Ich habe denen mitgeteilt, daß mir nicht bekannt war, dass der Service kostenpflichtig ist und mich auf ein “Vertragsabschlußirrtum” berufen. (Vorgefertigte Briefe gibt es bereits im Netz). Lt. einer Sendung im HR liegt der Fall sogar schon der Staatsanwaltschaft München vor. Wir dürfen also gespannt sein. Vor allem denke ich, ruhig bleiben und NICHT zahlen!
repräsentativ kann diese Befragung kaum sein, wenn z.B. centurionet nur 2x genannt wird, alphaload garnicht. Das Ermittlungsverfahren gegen alphaload wurde eingestellt, gegen den Beschluss habe ich heute Beschwerde eingelegt und im http://forum.usenet-guide.de/ online gestellt.
Ich bin immer wieder überrascht, wie viele sich die Abzocke im Internez widerspruchslos bieten lassen.
[…] Daneben hat er unter anderem die Altersangaben der betroffenen Teilnehmer ausgewertet, ihre Herkunftsländer, sowie die Seiten, auf denen sich die Betroffenen abgezockt fühlten. Mit weitem Abstand an Platz 1 stand dabei die Seite lebensprognose.com, gefolgt von diversen Schmidtlein-Seiten und der Seite smsfree24.de. Über Letztere wird auch im augs.blog seit Wochen fleissig diskutiert. zum Bericht bei Verbraucherrechtliches Trackback URL · Gelesen: 1 · heute: 1 […]