SMS-Flirt-Chat - Staatsanwaltschaft Kiel ermittelt

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Flirt-Chats per Premium-SMS, bei denen eine SMS gerne mal 1,99 € oder sogar 2,99 kosten kann, haben die Gerichte in der Vergangenheit vereinzelt beschäftigt. Auch die Verbraucherzentrale Berlin hat vor einigen Jahren bereits erfolgreich gegen den Betreiber eines solchen Chats geklagt, weil sie “zufällig” verlässliche Informationen erhielt, wie ein solcher Flirt-Chat im Hintergrund tatsächlich betrieben wird.

Der Vorwurf: Bei den Chats werden keine SMS von flirtwilligen Teilnehmern vermittelt, vielmehr sitzt am anderen Ende immer ein professioneller “Animateur”, der den jeweiligen Teilnehmer zu weiteren SMS verleiten soll.

Die Berliner Zeitung hat unlängst über eine Betroffene berichtet, die auf einen solchen “Chat” hereingefallen ist.

Nun ist auch die Staatsanwaltschaft in Kiel tätig geworden, wie die dortige Polizeidirektion mitteilt

Im Rahmen eines von der Staatsanwaltschaft Kiel geführten umfangreichen Ermittlungsverfahrens gegen Betreiber von gebührenpflichtigen SMS-Chats wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Bandenbetruges ist es am heutigen Tage zu groß angelegten Durchsuchungen von Firmenräumen und Privatwohnungen gekommen.

Beteiligt sind verschiedene miteinander verflochtene Firmen im Bereich Kiel und Flensburg, die wahrscheinlich von den Beschuldigten kontrolliert werden. Konkret stehen die Beschuldigten im Verdacht, seit etwa 2005 über massenhaft versandte Lock-Emails und in der Folge Premium-SMS angeblich seriöse Möglichkeiten angeboten zu haben, Beziehungen bzw. Partnerschaften mit anderen Teilnehmern eingehen zu können. In Wahrheit sollen die Beschuldigten ausschließlich angestellte Animateure zum Betrieb des SMS-Chats eingesetzt, total gefälschte Profile angeblich Kontakt suchender Personen verwendet und auf diesem Weg Gewinne in erheblichen Ausmaßen erzielt haben. Der Preis pro SMS betrug 1,99 EUR. Die konkrete Schadenhöhe ist noch nicht bekannt, es wird eine Vielzahl noch unbekannter Geschädigter im ganzen Bundesgebiet vermutet.

An der Durchsuchung von über 40 Objekten im Bereich Kiel und Flensburg waren mehr als 140 Polizeibeamte, Staatsanwälte sowie Spezialeinheiten beteiligt. Die Hauptbeschuldigten sind aufgrund von Haftbefehlen festgenommen worden.

Es handelt sich um das bundesweit erste Verfahren aus dem Bereich virtueller Kontaktmärkte, in dem es wegen Betrugsvorwürfen gegen die Betreiber zu Festnahmen gekommen ist. Die Auswertung des sichergestellten Beweismaterials wird aufgrund des Umfangs der aufgefundenen Datenmengen geraume Zeit in Anspruch nehmen.

[via]

Ältere Artikel zu der Thematik:
Untergrundbericht aus einer SMS-Flirt-Agentur

1 Kommentar zu “SMS-Flirt-Chat - Staatsanwaltschaft Kiel ermittelt”

  1.  
    14. April 2009 | 13:39
     

    […] Wieder einmal ist das Thema SMS-Flirt Thema einer Staatsanwaltschaft. Diesmal wurden die Geschäftsräume des Privatsenders RTL 2 durchsucht, meldet welt.de. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet auf gewerbsmäßigen Betrug. Allein von 2005 bis 2006 versandten die gutgläubigen Opfer insgesamt 500.000 SMS-Nachrichten zu einem Preis von 1,99 Euro. Den Ermittlungen zufolge wurden ihnen vorgegaukelt, dass sie mit realen Personen in Kontakt stehen. „Einen telefonischen oder persönlichen Kontakt hat es nie gegeben“, sagte Oberstaatsanwalt Winkler. Er sei immer mit fadenscheinigen Gründen abgelehnt worden. […]

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Bitte keine Anfragen "Was soll ich tun?", "Wie soll ich mich verhalten?". In den meisten Fällen sind diese Fragen völlig überflüssig, weil die nötigen Informationen in dem Artikel stehen oder jedenfalls bereits entsprechend verlinkt sind. Wer darüber hinaus eine individuelle Rechtsberatung wünscht, muss sich an eine Verbraucherzentrale oder an einen Anwalt wenden.

Nachtrag: Da dieser Hinweis offenbar nicht fruchtet, werden ab sofort jegliche Anfragen nach rechtlicher Beratung nicht mehr freigeschaltet bzw. gelöscht. Tut mir leid, aber sonst quellen die Kommentare über.

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